Risikoanalyse, Risikobewertung, Risikobeurteilung – was ist der Unterschied?

Erfahren Sie hier was der Unterschied ist zwischen Risikoanalyse, Risikobewertung und Risikobeurteilung.

Vorwort

Im Zusammenhang mit der Maschinenrichtlinie, der Druckgeräterichtlinie oder der Niederspannungsrichtlinie wird immer wieder mal von „Risikoanalyse“, ein andermal von „Risikobewertung“ und wiederum anderswo von „Risikobeurteilung“ gesprochen. Doch was ist der Unterschied zwischen diesen Begriffen, oder gibt es den etwa gar nicht?

Was ist Risikobeurteilung?

Kurz gesagt ist „Risikobeurteilung“ der Oberbegriff über: Festlegen der Grenzen der Maschine, Ermitteln der Gefährdungen, das Einschätzen des Risikos und die Bewertung des Risikos. Sehen wir uns das am besten anhand eines Schaubilds an.

Illustration zur Risikobeurteilung. Risikobeurteilung ist der Oberbegriff über Festlegen der Grenzen der Maschine, Risikoanalyse, Risikoeinschätzung und Risikobewertung.
Schaubild zur Risikobeurteilung (Anklicken zum Vergößern)

Bei einer Risikobeurteilung beginnt man indem man als erstes die Grenzen der Maschine festlegt. Erst dann beginnt man damit die Gefährdungen, die von der Maschine ausgehen oder in Zusammenhang stehen, systematisch zu erfassen (identifizieren). Dazu gibt es eine Reihe von Methoden, die wir an dieser Stelle überspringen.

Risikoeinschätzung

Nachdem wir, hoffentlich, alle Gefährdungen die von der Maschine ausgehen identifiziert haben, gehen wir daran eine Aussage darüber zu treffen wie gravierend das Risiko ist, das von dieser Gefärdung ausgeht. Um zu verdeutlichen was die Norm damit meint lohnt es sich den Begriff des Risikos näher zu beleuchten: Die EN ISO 12100 definiert Risiko als eine Funktion aus Schadensausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit dieses Schadens:

Risiko = f (Schadensausmaß, Eintrittswahrscheinlichkeit)

Quelle: EN ISO 12100

Wie wir sehen ist Risiko etwas anderes als die Gefährdung bzw. das Schadensereignis!

Da zum Zeitpunkt der Erstellung der Risikobeurteilung das Schadensereignis im Normalfall noch nicht eingetreten ist, sind wir darauf angewiesen das Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit zu „schätzen“. Auch dafür gibt es systematische Methoden um zu einer belastbaren Einschätzung zu kommen, die wir hier vorerst überspringen wollen.

Risikobewertung

Nachdem alle Gefährdungen und deren Risko eingeschätzt wurden müssen wir überlegen ob es nötig ist Maßnahmen zu ergreifen um eine Gefährdung zu entschärfen oder ob wir mit dem damit verbundenen Risiko leben können. Dazu bewerten wir die Risiken danach ob Maßnahmen zur Risikominderung nötig sind, und wenn welche nötig sind ob dadurch neue Gefährdungen entstehen können.

Auch hier gibt es wiederum verschiedene Möglichkeiten die Bewertung durchzuführen auf die wir an anderer Stelle genauer eingehen werden. Erst wenn alle Risiken hinreichend gemindert sind sind wir mit der Risikobeurteilung fertig.

Fazit

Wie wir gesehen haben bildet der Begriff „Risikobeurteilung“ den Oberbegriff über die Teilbereiche „Risikoanalyse“, „Risikoeinschätzung“, „Risikobewertung“ und „Festlegen der Grenzen der Maschine“. An verschiedenen Stellen haben wir gesehen, dass es für die alle Teilschritte der Risikobeurteilung unterschiedliche Methoden zur systematischen Bearbeitung gibt. Die EN ISO 12100 bietet also reichlich Platz um den idealen Weg für den jeweiligen Anwendungsfall zu benutzen.